Ein Garten ganz in Weiß

Geschrieben von 23.10. 2006 11:49:44 (18152 Leser)

Leseprobe aus: Helga Urban: Ein weißer Garten, Ulmer, 2. Aufl. 2006
Einer der bekanntesten Gärten überhaupt ist ein weißer Garten. Eigentlich ist es nur ein Gartenteil, umschlossen von Mauern und Hecken in einer viel größeren Gartenanlage, aber in England zu einem Mythos geworden und eine Attraktion für Besucher aus aller Welt und ein Eldorado für Fotografen. Inzwischen ist das Interesse an diesem Garten so groß, dass die vielen Bewunderer schon als lästig empfunden werden. Die Rede ist natürlich von Sissinghurst, Vita Sackville-Wests weißem Garten.

Ein Garten ganz in Weiß

Was macht diesen ungeheuren Reiz aus?
Die Beschränkung auf nur eine Farbe kann es allein nicht sein, so außergewöhnlich ist Weiß nun auch wieder nicht, obwohl weiße Gärten immer noch sehr selten sind.

Ist es seine Form?
In Sissinghurst wurde eine strenge, formale Struktur von Wegen und immergrünen Hecken gewählt, mit einem wechselnden Bild weiß blühender Pflanzen. Oder ist es vielleicht nur die Faszination, das 'gewisse Etwas', der Zauber, der - besonders in den Abendstunden - von einem ganz in Weiß gehaltenen Garten ausgeht?

Gerade das Gegenteil einer formalen Gestaltung zeigen uns Vorbilder der Natur. Weiße Wolken am blauen Himmel, weiße Schaumkronen auf den Wellen des Meeres, die Blütenfülle eines Obstgartens, eine Sommerwiese voller Margeriten - können das nicht ebenfalls alles Anregungen sein, einen Garten zu schaffen, in dem Weiß die einzige Blütenfarbe ist?

Zwischen einer formalen, streng gegliederten Form und einer lockeren, leichten, wie zufällig anmutenden Gestaltung liegen Welten. Beide können schön sein, beide haben ihre Verehrer, und für beide bietet sich eine weiße Bepflanzung an. Zwischen beiden Extremen liegt eine Fülle von Möglichkeiten, in der Farbe Weiß zu schwelgen, ganz nach der eigenen Vorstellung, dem persönlichen Geschmack und den vorhandenen Gegebenheiten.

So einfach, wie man vielleicht denkt, sind weiß sblühende Pflanzen dennoch nicht zu einem harmonischen Ganzen zusammenzufügen. Weiße Gärten enthalten nicht nur Weiß und das Grün der Blätter, sondern auch viele andere Pastelltöne wie Zartgelb, Blaßrosa oder Zartviolett. Zudem haben viele weiße Blüten farbige Markierungen, eine Iris etwa ein kräftig gelbes Inneres oder ein Fingerhut purpurfarbene Tupfen.

Die besten Pflanzen für einen weißen Garten sind nicht unbedingt die mit Blüten imposanter Größe und reinstem, glitzerndem Weiß. Besonders die weicher wirkenden Pflanzen sind es, die zu einem reizenden Bild beitragen, entweder durch ihre Wuchsform oder durch das Vorhandensein eines anderen Pigments, ebenso eine geglückte Mischung aus weißen Blüten und grünem, grauem oder panaschiertem Laub.
Überwiegen die sanfteren Töne, können auffällige weiße Blüten durchaus den Blickpunkt setzen.

So verwirrend, wie man jetzt vielleicht denkt, sind die Möglichkeiten auch wieder nicht - und unmöglich, einen Garten ganz in Weiß zu gestalten, ist es schon gar nicht. Wer sollte nicht, angesichts so vieler Möglichkeiten, auch Lust kommen, sich etwas näher mit der Farbe Weiß zu beschäftigen und sie im Garten einzuplanen?

Ein Garten ganz in Weiß

Ein Garten ganz in Weiß

Helga & Klaus Urban, GbR
Langheckenweg 13
60433 Frankfurt/Main
www.onlineagentur.de/Urban

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