Gallicarosen - Rosa gallica und ihre Hybriden

Geschrieben von 17.10. 2006 10:56:58 (15587 Leser)

Rosa gallica 'Versicolor'

Die Heimat der Gallicarose erstreckt sich von Mitteleuropa über Südeuropa bis Kleinasien wobei das letztere als Ursprungsort bezeichnet werden muss.
Sie gehört zu unseren ältesten Rosen und wird oft als eine Urmutter unserer heutigen Gartenrosen bezeichnet, da sich ihr beträchtlicher Einfluss bis hin zu fast allen modernen Gartenrosen verfolgen lässt.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts war diese Rosenklasse, die bis ins 19. Jahrhundert Gallische Rose oder Provinsrose genannt wurde, mit wesentlich mehr Sorten vertreten als heute. Über 150 Sorten gehörten zu Kaiserin Josephines Sammlung, die sie in Malmaison kultivierte.
Nur wenige Sorten dieser Rosenklasse sind reinrassig, da sie leicht hybridisieren. Aus diesem Grunde ist, wenn überhaupt, meist nur die Mutterrose der jeweiligen Sorte bekannt.
Gallicarosen sind winterhart, gesund, nehmen mit fast allen Böden vorlieb und erweisen sich daher als äusserst pflegeleicht. Mit ihrem geschlossenen, aufrechten bis leicht überhängenden Wuchs erreichen sie eine Höhe von maximal 150 cm und eignen sich deshalb gut für kleine sowie extensiv genutzte Gärten. Hinter Mauerkronen gepflanzt, kommen besonders leicht überhängende Sorten wunderbar zur Geltung. Aber auch zum beranken von Säulen und Obelisken eignen sie sich sehr gut. Aufrechtwachsende Sorten eignen sich für niedrige, lose Hecken oder in Kombination mit Stauden für englische Mixedborder.
Die derben, etwas rauen, elliptisch-spitzen, dunkelgrünen, fünfteiligen Fiederblättchen stehen immer waagrecht von den mit wenig Stacheln, jedoch vielen dichten, unterschiedlich grossen Borsten bewehrten Trieben ab.
Gallicarosen neigen zu Wurzelausläufer und man kann sie deshalb gut vermehren. Junge Triebe sind leicht zu entfernen und so wanderte schon mancher über den Gartenzaun und fand dadurch einen neuen Liebhaber.
Die Blütezeit liegt je nach Lage zwischen Anfang Juni bis Mitte Juli. Die in Büscheln blühenden, frei aufrecht stehenden Blüten erscheinen zahlreich und regelmässig über dem Strauch verteilt. Die Blütenfarben reichen von Hellrosa bis zu einem lilagetönten oder purpurfarbenem Karminrot. Aber auch gestreifte, marmorierte und gepunktete Sorten sind vertreten. Typisch ist auch ein dauernd wechselndes Farbenspiel vom aufgehen der Blüte bis hin zum verblühen.
Im Herbst zieren kugelige rote bis dunkelrote, aufrechtstehende Hagebutten die Sträucher.

Rosa gallica var. 'Officinalis'

Rosa gallica var. 'Officinalis' Nachgewiesen in Frankreich im Jahre 1310
Syn.: Apothekerrose, Rote Rose von Lancaster, Provinsrose, gefüllte Essigrose
Besonders diese Rose wurde im Mittelalter in allen Teilen genutzt und wurde wegen ihrem lang anhaltenden, starken Duft sehr geschätzt. Schon im 14. Jahrhundert wurde Rosa gallica var. Officinalis nachweislich in Provins als Apothekerrose grossflächig zu Heilzwecken angepflanzt. Daher rührt ihr Name.
Ihre halbgefüllten Blüten haben bis zu zehn Blütenblätter in einem hellen Karminrot und zeigen einen strahlendgelben Kranz Staubgefässe, der wie ein Krönchen auf einem Kissen in der Mitte sitzt und währen der Blütezeit ein wirklich prächtiges Schmuckstück für jeden Garten darstellt. Der Strauch erreicht gut und gerne eine Höhe von 150 cm.

Rosa gallica 'Versicolor'

1583 in Kultur
Syn.: Rosa gallica variegata sowie Rosa Mundi, nach Rosamond Clifford, einer Geliebten Heinrichs II. von England benannt.
Diese Rose ist ein Sport von Rosa gallica var. Officinalis, sie hat jedoch unregelmässig weiss, rot und rosa gestreifte Blütenblätter. Alle übrigen Eigenschaften hat sie mit Rosa gallica var. Officinalis gemein.

Rosa gallica 'Complicata'

Die Herkunft dieser Sorte ist bis heute ungeklärt. Eventuell handelt es sich hier um eine Hybride von R. gallica und R. x macrantha. Mit Sicherheit stellt sie aber für Gartenanlagen eine der schönsten Sorten mit Wildrosencharakter dar. Mit ihrem kräftigen, ausladenden Wuchs von 200 cm Höhe wird sie deutlich höher und auch breiter als die eigentlichen Gallicaformen.
Die 6 bis 10cm grossen, zartduftenden, einfachen und geradezu leuchtenden Blüten sind von einem lichten Rot und werden zur Blütenmitte hin heller. Die Petalen sind herzförmig ausgebogen und wölben sich leicht nach innen. Ein Kranz von gelben Staubgefässen mit dunkleren Staubbeuteln unterstreichen die leuchtende Wirkung deutlich. Diese alte Gallicarose eignet sich vorzüglich als Solitärstrauch, aber auch in einer naturnahen Hecke macht sie sich hervorragend.

Rosa gallica 'Conditorum'

Seit 1889 im Handel
Syn.: Konditorrose, Ungarische Rose
Sie hat einen kräftigeren Wuchs als Rosa gallica var. Officinalis und bringt stark gefüllte, süss duftende Blüten in einem dunklen Rosarot hervor. Ihr Wuchs ist überhängend und erreicht eine Höhe von ca. 150 cm.

Alain Blanchard

Vibert 1839 ev. älter
Die halbgefüllten, leicht duftenden Blüten stehen in Büscheln auf den fast aufrechten Zweigen und zeigen ein leuchtendes Karminrot mit dunkleren Flecken. Die goldenen Staubgefässe bilden einen wunderbaren Kontrast zu den beim abblühen sich purpurn verfärbenden Blüten. Ein Farbenspiel ohnegleichen. Der aufrechte Strauch erreicht eine Höhe von ca. 130 cm.

Charles de Mills

Charles de Mills Syn.: Bizarre Triomphant
Vor 1811 in Kultur
Die Petalen dieser sehr beliebten Rose sind dunkelpurpurrot bis dunkelviolett. Die grossen, stark gefüllten, flachen Blüten, die in Büscheln beieinander stehen duften leicht.
Ihr Wuchs ist gedrungen und aufrecht und erreicht eine Höhe von ca. 120 cm.

Duchesse de Montebello

Laffay vor 1829
Eine Sorte mit vielen Vorzügen. Die perlrosafarbenen Blüten mit ihrem vorzüglichen, süssen Duft sind mittelgross, gut gefüllt und zum Teil von kugeliger aber auch schalenförmiger Form. Sie blüht reich und früh. Der gut belaubte Strauch hat einen überhängenden Wuchs und erreicht eine Höhe von bis zu 150 cm.

La Plus Belle de Ponctuées

'Die Schönste der Getüpfelten' bringt Büschel von grossen, rosettenförmige, leicht duftende Blüten hervor. Das tiefe Rosa der Petalen ist mit unzähligen hellen bis fast weissen Punkten übersät. Die Blüten heben sich wirkungsvoll von dem dunklen Laub des mittelhoch und aufrechtwachsenden Strauches ab, der eine Höhe von 140 cm erreichen kann.

President de Séze

Vor 1836
Diese erstklassige Gallicasorte hat stark gefüllte, rosettenförmige, duftende Blüten, die sich von der Mitte bis zum Blütenrand von einem leuchtend, dunklen Magentarot, über Violettrosa bis zu einem zarten Lila aufhellen. Der wüchsige, leicht überhängende Strauch hat gesundes, grossblättriges Laub und erreicht eine Höhe von ca. 130 cm.

Tuscany

1596
Syn.: The Old Velvet Rose
Ihre in Büscheln stehenden, offenen, halbgefüllten, samtig dunkelviolettroten, zur Mitte hin helleren bis fast weisslichen Blüten zeigen einen gerade noch sichtbaren ausgeprägten Kranz von gelben Staubgefässen. Ihr Wuchs ist aufrecht und erreicht eine Höhe von ca. 150 cm.

Tuscany Superb

vor 1848 in Kultur
Vielleicht handelt es sich hier um einen Sport von Tuscany, da sich die beiden Sorten sehr ähnlich sind. Die Blüten sind bei Tuscany Superb jedoch stärker gefüllt, wobei dadurch die Staubgefässe fast verdeckt sind. Auch das Laub ist etwas grösser und der etwas breiter wachsende Strauch kann ebenfalls eine Höhe von ca. 150 cm erreichen. Beide Sorten eignen sich hervorragend zum beranken von Pergolen und Rosenbögen.

Violacea

1876 wahrscheinlich vor 1800 in Holland in Kultur.
Syn.: La Belle Sultane
Auffallend sind bei dieser Sorte schon die Knospenbüschel, da die Kelchblätter sehr lang sind. Ihre leicht duftenden Blüten sind fast einfach und besitzen nur zwei Reihen samtig-dunkelroten Petalen, die einen auffälligen Kranz von gelben Staubgefässe umgeben.
Mit seinem überhängenden Wuchs von bis zu 160 cm, wächst dieser Strauch gut auf eigener Wurzel und eignet sich vorzüglich für naturnahe Gärten sowie für die Hinterpflanzung von Mauerkronen.

Tuscany Superb

Duchesse de Montebello

Violacea

(c) Text und Fotos: Brigitte Buser
Atelier zum Dorfgarten, Zunzgen, Schweiz
www.zumdorfgarten.ch

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