Pflanzen: Geißblatt (Heckenkirsche, 'Jelängerjelieber')

Geschrieben von 14.11. 2006 10:46:01 (49644 Leser)

Lonicera brownii 'Dropmore Scarlett'

Lonicera
Schlingende Geißblätter werden vor allem wegen ihrer Blüten geschätzt, sind aber anspruchsvoll bezüglich Standort und Wasserversorgung. Sie eignen sich vor allem für frei stehende Rankgitter, Ihr Wert in der Fassadenbegrünung wird oft überschätzt.

Ansprüche

Als typische Waldrand-Gewächse wünschen Geißblätter möglichst keinen exponierten, vollsonnigen Standort, eher eine gerade noch normal sonnig bis halbschattige Lage. Schatten hingegen fördert das unangenehme Verkahlen.

Angenommen werden frische bis feuchte, nährstoffreiche Gartenböden, der Wurzelfuß sollte unbedingt gegen starke Temperaturschwankungen und Austrocknen geschützt und beschattet sein, durch Unterpflanzung oder einen vorgesetzten Schattenstein. Geißblätter vertragen keinen warm-trockenen Luftstrom, wie er an besonnten Wänden entsteht und sind von daher für die eigentliche Wandbegrünung nur sehr bedingt geeignet. Frei stehende Rankgerüste sind in jedem Fall zu bevorzugen.

Lagen mit hoher Luftfeuchtigkeit (z. B. an Küsten und Binnengewässern) scheinen Geißblättern gut zu bekommen.


Wuchs und Blätter

Geißblätter sind mittelstark wüchsige Sproßschlinger mit geringer bis mittlerer Stammbildung. Sie können dichte Laubwände bilden und somit für Sichtschutz, Lauben usw. eingesetzt werden.

Die Blätter der sommergrünen Arten haften von April bis Oktober, das Immergrüne Geißblatt wird gesondert behandelt. Lonicera japonica "Halliana" kann als fast wintergrün, Lonicera brownii zumindest als halbwintergrün (bis November / Dezember) gelten.


Blüte und Frucht

Die Blüten sind je nach Art weiß, cremefareben, gelb bis orange, rosa und rot gefärbt. Sie erscheinen als Röhrenbüschel von Mai bis September, bei manchen Arten auch lang anhaltend.

Einige Arten duften abends stark, so Lonicera caprifolium.


Rankhilfen

Die schlingenden Geißblatt-Arten brauchen in jedem Fall Stäbe oder Drahtseile mit Abrutschsicherung, Querstab o. ä. als Rankhilfe. Zaungitter, Pergolen usw. sind gut geeignet.

Es gibt auch buschig wachsende Formen, die aber als Kletterpflanzen nicht von Belang sind.

Für Systeme aus Draht und Seil nutzen Sie bitte die umfangreiche Übersicht weiter unten. Empfohlener Wandabstand der Seile: 4-5 cm, bei dauerhafter Umschlingung der Seile eher mehr. Es sind Drahtseil 3 mm und Wandhalter für mittlere bis höhere Lasten (Gruppe 2 und 3) zu wählen. Haupttriebe für den Aufbau des Stammgerüstes sind bei Wandhaltern mit geringem Wandabstand wegen des Dickenwachstums abzudrehen und parallel zu den Seilen zu heften wie bei Blauregen beschrieben. Bei dauerhafter Umschlingung ggf. Zugausgleich einbauen.

Bei stark wüchsigen Exemplaren bzw. sehr hoch angelegten Rankhilfen ist 4 mm Seil mit entsprechenden schweren Haltern (WM 12XX3, WM 12XX1) zu bevorzugen.


Schnitt

Schnitt ins alte Holz ist zumindest an einzelnen Trieben mitunter erforderlich, um dem Verkahlen entgegen zu steuern. Er wird aber mitunter schlecht vertragen, und die beschnittenen Triebe treiben ggf. schlecht nach oder sterben ab. Sommerschnitt in grüne Triebe ist weniger problematisch und kann die Verzweigung anregen.


Bemerkungen

Geißblätter sollten an Wände wirklich nur gesetzt werden, wenn die hohen Standortansprüche erfüllbar sind.

Gesundes Waldgeissblatt Lonicera periclymenum

Lonicera

Solche Riesen-Geißblätter, üppig und vital zugleich, sind nicht oft zu finden.

Sven Taraba von FassadenGrün
www.fassadengruen.de
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