Herbstkolorit - Auftakt zur herbstlichen Ruhezeit

Geschrieben von 26.09. 2006 16:05:38 (15861 Leser)

Pyracantha coccinea

Während sich in unseren Breiten die Vegetation nach den vier Jahreszeiten richtet, trifft dies für das Pflanzenkleid der Tropen nicht zu. Bedingt durch die Äquatornähe sind dort ganzjährig Temperaturen von 24 bis 30 Grad C zu verzeichnen. Die winterliche Ruhezeit fällt daher fort. Für uns im kontinentalen Klima ist die kurze Zeit der bunten Blätter ein spätsommerlicher Höhepunkt, dem wir mit Freude entgegensehen.

Warum verfärben sich die Blätter?

Vor der langen Winterzeit will sich die Natur noch einmal in ihrem besten Kleid vorstellen. Zwischen den immergrünen Kiefern und Tannen stehen in Rot- und Gelbtönen in malerischen Farben die Vielzahl der Laubbäume und die Vielfalt von Stauden. Es scheint so, dass sich die Natur noch vor dem Winter aufbäumen möchte, bevor sie in den Winterschlaf fällt.

Wie bereits erwähnt, ist der Lebenszyklus der Pflanzen in unserem Klima der Jahreszeit entsprechend. Zum Überleben wirft der Baum alljährlich seine Blätter zur beginnenden Winterzeit ab, da jedes Blatt eine große Verdunstungsfläche darstellt und er mit seinen lebensnotwendigen Kraftreserven vorsorglich umzugehen hat.

Im Detail erfolgt der Abbau des Blattgrüns derart, indem zuerst das Blattgrün (Chlorophyll) und die weiteren Farbträger stufenweise abgebaut werden, um schließlich die Verdunstung des Baumes auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Neben dem Karotin, einem gelblichen Farbträger in der Pflanze, ist es das Rot der Anthozyane, das den Effekt des Farbenspiels hervorruft. Wald- und Parkszenerien erscheinen nicht mehr grün, sondern sie präsentieren sich in ihrem gewissen "Etwas", in Rot, Gelb und Violett in verschwenderischer Üppigkeit. Viele Maler haben versucht, diese Pracht in Bildern festzuhalten (z. B. van Gogh, Nolde). Bezaubernde Motive bietet der Herbst besonders in den Staaten, wo er als "Indian Summer" bekannt ist.

Unterschiedliches Auftreten der Verfärbung

Das Geschenk der Herbstfärbung mit ihren Reizen nehmen wir neben den anderen Freuden im Garten alljährlich voller Dankbarkeit entgegen. Bedeutungsvoll ist wiederum der Faktor Licht, der bei der Atmung (Kohlenstoffaufnahme) bei der Aussaat von Pflanzen ? Hell- und Dunkelkeimer ? Voraussetzung ist. Nicht in jedem Jahr tritt die Herbstfärbung in Feld und Wald mit gleicher Intensität auf. Zurückzuführen ist die Gegensätzlichkeit auf die abweichende Licht- und Sonnenscheindauer eines Jahres. Bei der Standortwahl ist deshalb auch auf schattenverträgliche und sonnenliebende Gehölze, sogenannte "Sonnenanbeter", zu achten, da in vollsonniger Lage die Färbung intensiver zum Ausdruck kommt.

Fruchtschmuck

Zum Laubdekor des Herbstes gehören auch die fleischigen Beeren sowie der gesamte Schmuck der heimischen Wild- und erlesenen Fruchtsträucher, die nach ihrer Blüte mit ihrem Fruchtbehang weitere herbstliche Akzente setzen. Zur Steigerung des Stimmungsbildes trägt der Fruchtbehang der Wildrosen bei mit den unterschiedlichen Hagebutten-Früchten sowie Zwergmispeln und die Mannigfaltigkeit der vielen Zieräpfel.

Zur Bekleidung kahler Wände oder Mauern eignet sich der Baumwürger, Celastrus orbiculatus, mit seinen orangegelben Früchten und rotem Samenanteil. Die deutsche Bezeichnung ist nicht wörtlich zu nehmen! Ein prächtiger Schmuck auch für die häusliche Umgebung. Gleichfalls bieten alte Baumstämme Gelegenheit, Kletterrosen zur Schau zu stellen. Ihre leuchtenden Früchte zaubern neben ihren Blüten traumhafte Stimmungsbilder. Zu empfehlen ist die Kletterrose R. 'Sympathie?. Wuchs bis 4 m, Blüte samtig, dunkelrot, gefüllt, edelgeformt, öfter reichblühend.

Die Fotos einiger bewährter Laubgehölze mögen darstellen, wie mannigfaltig sich das Rot mit seinen Abstufungen auswirkt. Selbst ein Solitärbaum oder eine kleine Gruppenpflanzung an passender Stelle, auch Kleingehölze, können zu einer gemütlichen Gartenatmosphäre beitragen. Hervorzuheben wäre der Flügel-Spindelbaum, Flügel-Pfaffenhütchen genannt. Mit Namen Euonymus alata beträgt sein Wuchs im Alter 3 m. Die violett-blutrote Laubfärbund dieses wertvollen Gehölzes sucht ihresgleichen.

Autor: von Esebeck, Heribert

Acer campestre

Cotoneaster

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Fotos: Hana Vymazalova
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